Ecusson de la République et du canton de Genève


REPUBLIQUE
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DE GENEVE

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Feuille d'Avis Officielle du 13.07.2001

Version française

"Genf: Geschichte und Institutionen - Ein Leitfaden"
Vom Römischen Reich bis zur Reformation

Banneret figurant sur le Livre des Franchises, 1451. Archives d'Etat."Wir leben nicht nur in unserer Epoche. Wir tragen unsere ganze Geschichte mit uns."

Seit dem 10. Jahrhundert v. Chr. profitiert Genf wirtschaftlich und geschäftlich von seiner günstigen geografischen Lage an der Rhone, entlang der Achse, die Nordeuropa mit dem Mittelmeer verbindet.

Gegen 800 v. Chr. lassen sich keltische Stämme indo-europäischen Ursprungs auf dem Schweizer Plateau und in Gallien nieder. Einer dieser Volksstämme, die Allobroger, besiedelt den Hügel, der später zum historischen Kern Genfs wird (Vieille Ville). Der Ort ist ideal gelegen, da er auf drei Seiten durch die Arve, die Rhone und den Genfersee geschützt wird : Die verwundbare Seite im Osten wird durch Palisaden verstärkt.

Um 120 v. Chr. erobern die Römer Südgallien und unterwerfen die Allobroger. Genf wird zur Grenzstadt des Römischen Reiches.

Genf unter der Herrschaft Roms

Im Jahre 52 v. Chr. erscheint der Name Genf zum ersten Mal in einem Text aus der Feder Julius Caesars. Dieser berichtet darüber, wie er den Vormarsch der Helvetier aufhalten konnte, indem er die Genfer Brücke über die Rhone einreissen liess. Unter dem Römischen Reich entwickelt sich Genf zu einer florierenden und bedeutenden Handelsstadt. Politisch untersteht sie der römischen Herrschaft, genauer gesagt der lokalen Aristokratie, die die Macht im Namen des Kaisers ausübt. Genf ist zu jener Zeit wenig mehr als eine befestigte Siedlung.

Im 3. Jahrhundert n. Chr. beginnt der Niedergang des Römischen Reiches. Es kommt zu ersten Invasionen aus dem Norden. Die Germanen und Alemannen zwingen die Städte Galliens zur Abschottung und zur Errichtung von Festungen.

Im 5. Jahrhundert lassen sich die Burgunder in der Gegend nieder. Genf wird eine Zeit lang zu ihrer Hauptstadt, bevor sie diesen Titel im Jahre 470 an Lyon abtreten muss. 534 unterwerfen die Franken das burgundische Königreich. Genf gehört zunächst zum Königreich der Merowinger, dann der Karolinger. Im Jahre 1032 wird die Stadt dem Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation angeschlossen.

Genf unter bischöflicher Macht

Ab dem 7. oder 8. Jahrhundert werden die Bischöfe zu den eigentlichen Herrschern Genfs. Die Frankenkönige regieren nur auf dem Papier, da sie zu weit von den Städten entfernt sind und an der Spitze eines allzu zerstückelten Territoriums stehen.

Ab Mitte des 9. Jahrhunderts wird die fast unbeschränkte Macht des Bischofs durch die Lokalherren, die Grafen von Genf, bedroht. Ursprünglich sind die lokalen Grafen königliche Beamte, die ihre Ländereien auf immer autonomere Weise verwalten. Es gelingt ihnen, in Genf Fuß zu fassen und in der Stadt sogar ein Schloss zu errichten. Der Bischof Humbert de Grammont bringt den Grafen Aymon I. schliesslich zum Einlenken. Im so genannten Accord de Seyssel von 1124 verzichtet der Graf von Genf auf all seine Regierungsrechte über die Stadt. Doch das Streben der Grafen nach der Herrschaft über Genf lässt nicht nach. Erst als Kaiser Friedrich I. eingreift, um den bischöflichen Besitztümern die kaiserliche Garantie zu gewähren und die Bischöfe als unmittelbare Fürsten des Reiches anzuerkennen, beruhigt sich die Situation.

Im 11. und 12. Jahrhundert beginnt in Genf eine Phase der Ausdehnung. Die benachbarten Siedlungen erstrecken sich bald bis an die Stadtmauer, was im 12. Jahrhundert zur Errichtung einer neuen Mauer führt. Die Bevölkerung Genfs wird zu dieser Zeit auf 2 000 bis 3 000 Einwohner geschätzt.

Das 13. Jahrhundert ist durch die steigende Macht der Grafen von Savoyen und deren Machthunger geprägt. Über sechs Jahrhunderte lang werden diese ihre begierigen Blicke auf Genf richten. Erst durch den Turiner Vertrag von 1754 wird der Bedrohung der Stadt durch die Savoyer ein Ende gesetzt.

Bald wird die bischöfliche Macht erneut bedroht, dieses Mal durch die Bürgergemeinschaft. 1309 erkennt Bischof Aymon de Quart die rechtliche Existenz der Gemeinde an und gesteht ihr das Selbstverwaltungsrecht zu. Im Laufe des 14. Jahrhunderts nehmen die Befugnisse der Gemeinde zu: Die durch sie gewählten Syndics erhalten das Recht zur Ausübung der Strafjustiz, eine Funktion, die bis dahin den Lokalherren zustand. Die Syndics werden jedes Jahr von einer Versammlung der Bürger, dem Conseil Général, gewählt. Im Jahre 1387 räumt der Bischof von Genf Adhémar Fabri seinen Mitbürgern in einer Charta Gemeindefreiheiten (franchises) ein, wodurch nun ihre Rechte feierlich verankert sind.

Im 15. Jahrhundert nimmt die Bedrohung durch die Savoyer zu, da nunmehr das ganze Gebiet um Genf in ihrem Besitz ist. Durch eine Reihe ungewöhnlicher Umstände gehören ab Mitte des 15. Jahrhunderts bis zur Reformation fünf Genfer Bischöfe zum Hause Savoyen. Das Los der Stadt scheint besiegelt zu sein: Früher oder später wird Genf in die Hände der Savoyer fallen. Dieses Schicksal scheint unabwendbar, zumal die Gemeinde eng mit dem Bischof zusammenarbeitet. Zwischen einigen Genfer Familien und dem Adel des Herzogtums Savoyen werden - insbesondere durch Eheschliessungen - Verbindungen geknüpft.

Bis dahin sind die Beziehungen Genfs zu den Schweizer Kantonen rein geschäftlicher Natur, wobei jeder einen beachtlichen Nutzen aus den in der Region abgehaltenen Handelsmessen zieht. Angesichts der Bedrohung Genfs durch die Savoyer nimmt das Verhältnis vermehrt einen politischen Charakter an.

Der Burgrechtsvertrag von 1526

Wenn Genf nicht in die Hände des Herzogs von Savoyen gefallen ist, so ist dies zwei Schweizer Kantonen zu verdanken, nämlich Bern und Fribourg.

Der zwischen Genf und den beiden Schweizer Kantonen unterzeichnete Burgrechtsvertrag stellt einen wichtigen Annäherungsschritt dar. Dieses Abkommen über gegenseitige Hilfeleistung wird im Jahre 1526 geschlossen und ist von sehr grosser Tragweite, da die Genfer Aussenpolitik zum ersten Mal nicht durch den Bischof bestimmt wird. Somit stellt der Burgrechtsvertrag ein grundlegendes Ereignis in der Geschichte Genfs dar, welches das Ende der bischöflichen Macht ankündigt.

Ab 1527 verwaltet die Gemeinde die Ziviljustiz. Der Bischof herrscht zwar, regiert jedoch nicht mehr. Bald entsteht ein zweites "demokratisches" Organ - der Rat der Zweihundert, der zum eigentlichen gesetzgebenden Organ der Stadt wird und über ein Initiativrecht verfügt. Durch gegenseitige Kooptation ernennt der Rat der Zweihundert den Kleinen Rat, der die exekutive Gewalt innehat und die Mitglieder des Rates der Zweihundert wählt.

Die Reformation

Von 1526 an verbreiten deutsche Handelsleute die lutherischen Reformationsideen. Dieser neue Glaube zählt vorerst nur wenige Anhänger, beginnt dann aber ab dem Jahre 1530, sich unter dem Einfluss des Predigers Wilhelm Farel zu verbreiten. Unter dem Schutz der seit 1528 konvertierten Berner wird Farel ihr Missionar auf welschem Boden. Im Laufe des Jahres 1533 tritt die Mehrheit der Oberschicht zum neuen Glauben über.

Die Gründe für diese Konvertierung sind komplex und vielschichtig, in erster Linie jedoch religiöser Natur. Die lutherische Doktrin wird dem materiellen und religiösen Streben der städtischen Bürger und dem urbanen Leben viel eher gerecht. Auch politische Beweggründe spielen dabei eine Rolle: Der Herzog von Savoyen ist nämlich katholisch. Die Feindseligkeit gegenüber dem Herzog überträgt sich also auf seine Religion.

Am 10. August 1535 stellt der Rat der Zweihundert die Messe ein. Der Bischofssitz wird nach Gex verlegt und die Kirchengüter werden beschlagnahmt. Die Reformation setzt der bischöflichen Macht, die Genf fünf Jahrhunderte lang geprägt hat, ein jähes Ende.

Im Juli 1536 macht Johannes Calvin, Autor eines bedeutenden theologischen Werkes (Christianae Religionis Institutio), in Genf Halt. Wilhelm Farel überredet den jungen französischen Theologen, in Genf zu bleiben, um ihn bei der Festigung der Reformation zu unterstützen.

Calvins Tätigkeit in der Stadt Genf beschränkt sich aber keineswegs auf seine theologische und religiöse Arbeit, denn obwohl er lediglich das Amt des obersten Pfarrers innehat, nimmt sein Wirken auch Einfluss auf die kulturellen, politischen und wirtschaftlichen Bereiche.

Als Autor der 1543 entstandenen Edits civils, welche der Republik als Verfassung dienen, wird Calvin im Ancien Régime zum Gesetzgeber Genfs. Er will zwischen der politischen und der kirchlichen Gewalt ein Gleichgewicht schaffen, wobei die Kirche dem Staat nicht unterstellt sein darf.

Auch in bezug auf die Moral hinterlässt Calvin in der Stadt Genf seine Spuren. Die Sitten werden einer strengen Kontrolle durch das Konsistorium unterzogen - eine Art Gericht mit der Aufgabe, die Gemeinde zu überwachen und diejenigen zu bestrafen, welche gegen die neue Kirchenordnung verstossen.

Von 1550 an wird Genf zum Zufluchtsort französischer und italienischer Protestanten. Die Bevölkerung der Stadt verdoppelt sich innerhalb von zehn Jahren, sodass die Calvin-Stadt bald als protestantisches Rom gilt.

Die Reformation bringt Bewegung in den Kultur- und Erziehungsbereich der Stadt. Das reformierte Genf wird zu einer Stadt der Gelehrten. Im Jahre 1559 gründet Calvin die Académie und das Collège. Auch die elementare Schulbildung wird einer breiteren Bevölkerungsschicht zugänglich gemacht. Der Alphabetisierungsgrad der Genfer bleibt noch für lange Zeit höher als der ihrer katholischen Nachbarn.

Die überwältigende Anzahl protestantischer Flüchtlinge, die vor der Verfolgung fliehen, hat Auswirkungen auf die Wirtschaftslage der Stadt. Auch haben diese Flüchtlingsströme soziologische Folgen, jedoch ist hier nicht die Anzahl der Flüchtlinge bestimmend, sondern vielmehr ihre soziale Zugehörigkeit. Viele dieser neuen Ankömmlinge gehören nämlich der intellektuellen und moralischen Elite an. Den Gelehrten, Geschäftsleuten, Bankiers und Handwerkern ist der wirtschaftliche und intellektuelle Aufschwung zu einem grossen Teil zuzuschreiben.

So arbeitet die Genfer Industrie erstmals für den Export. Als erstes macht das Buchdruckergewerbe davon Gebrauch. Die bedeutende Produktion insbesondere religiöser Bücher fördert die Verbreitung der Reformationsideen und stellt schon bald eine wichtige Einnahmequelle dar. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts verliert die Buchindustrie an Bedeutung zu Gunsten der Seidenindustrie, die sich in voller Expansion befindet.

Auf politischer Ebene schafft im 16. und 17. Jahrhundert die Bourgeoisie den Durchbruch. Die Genfer Industriellen und Kaufleute gewinnen an Einfluss, da sie zum materiellen Wohlstand der Republik beitragen.