Ecusson de la République et du canton de Genève


REPUBLIQUE
ET CANTON
DE GENEVE

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Feuille d'Avis Officielle du 10.08.2001

Version française

"Genf: Geschichte und Institutionen - Ein Leitfaden"
Das Rathaus

Hôtel de Ville  Photo : G. ChardonnensSchon der Name Rathaus, den das wichtigste öffentliche Gebäude der Stadt und des Kantons Genf trägt, bedarf einer einleitenden Bemerkung, denn die Bezeichnung mag irreführen. Das Genfer Rathaus ist nämlich nicht Sitz der städtischen Behörden, wie dies im Allgemeinen der Fall ist, sondern des Großen Rates (Legislative) und des Staatsrates (Exekutive). Hierfür gibt es historische Gründe.

Im Mittelalter wurde Genf von einem Bischof regiert. Als sich Genf ab dem 14. Jahrhundert von der Vorherrschaft des Bischofs befreite, wurde aus den Gemeindebehörden, d.h. den Syndics und dem Kleinen Rat, eine Staatsregierung. Die ursprüngliche Bezeichnung für das Gebäude wurde beibehalten. Die Verwaltung der Stadt und der Republik, die eine völlige Einheit bildeten, wurde bis 1842 von den gleichen Behörden ausgeübt. Seither wird die Gemeinde Genf von einem eigenen Stadt- und Gemeinderat regiert. Hinzuzufügen ist, dass der Großratssaal auch dem Genfer Gemeinderat als Sitzungssaal dient.

Der Saal Pas Perdus

Als sich die Genfer Bürgerschaft Mitte des 15. Jahrhunderts für ein Rathaus entschloss, wählten sie den Ort, wo der Vertreter des Bischofs die zivilrechtlichen Urteile fällte. Die Wandelhalle ist das Herz des Rathauses. In diesem Saal wurden die ersten Versammlungen der Syndics, Abgeordneten und Räte abgehalten. Heute dient der Saal Pas Perdus als Vorzimmer für die Säle des Großrates und des Regierungsrates.

Der Baudet-Turm

Die Bürgerschaft beschloss 1455 den Bau eines Turmes an die Wandelhalle in der Nähe des Stadttores Baudet, dessen Name er übernahm. Das Stadttor wurde 1783 zerstört und durch ein griechisch-römisches Portal ersetzt. Der Turm, in piemontesischem Stil gebaut, ist an das Rathaus anglehnt. Der Turm diente nicht zu Verteidigungszwecken, sondern war für die Ratszusammenkünfte bestimmt. Er ist auf einer rechteckigen Grundfläche errichtet. Die zwei unteren Stockwerke sind wegen ihrer gewölbten Decke als Grotten bekannt. Die kleine Grotte ist heute mit dem Staatsratssaal verbunden und enthält noch immer die jüngsten Archive dieses Rates. Die große Grotte befindet sich auf demselben Stockwerk wie die Promenade de la Treille. Früher diente sie als Waffenlager, von der Mitte des 16. Jahrhunderts bis 1972 als Archiv.

Darüber befindet sich der Staatsratssaal, wo sich seit dem 15. Jahrhundert die Genfer Exekutive versammelt. Ein Stockwerk weiter oben liegt das Musikzimmer, in dem Mozart 1766 spielte. Heute ist es Sitz des Departements für innere Angelegenheiten, Landwirtschaft und Umwelt. Bis im Jahre 1920 wohnte dort der Grossweibel. Auf den Mauern sind zwei Sonnenuhren, ein Genfer Wappen von 1766 und eine Gedenktafel anlässlich des Jahrestages der Restauration von 1813 angebracht.

Der Staatsratssaal

Die Tagungen der Regierung der Republik und des Kantons Genf, denen heute auch der Kanzler beiwohnt, finden seit 1488 im Staatsratssaal statt.

Das Pult mit einer alten Bibel, das in der Nähe des Fensters steht, wird bei Vereidigungen benutzt. In einem Schaukasten befindet sich eine mit Pergament bezogene Tafel, auf die der Grossweibel seit 1818 jedes Jahr das Datum des Tages einträgt, an dem die erste Knospe des Kastanienbaums auf der Treille als Vorbote des Frühlings aufspringt.

An der Wand sind die Amtsstäbe der Syndics angebracht. Die Namen dieser ersten Vertreter der Gemeinde sind darauf eingraviert. Das heutige Zeremonienszepter, ein kollektives Wahrzeichen der Republik, wird vom Grossweibel getragen. Ein Sitz in Gestalt eines Löwen war für den Grossweibel bestimmt, der auf die Anordnungen des Rates wartete und ihre Ausführung sicherte. Ursprüngliche kontrollierte der Grossweibel die Personen, welche den Saal betraten. Seit der Reformation ist er für die Instandhaltung des Rathauses verantwortlich, wo er bis 1920 auch wohnte. Als oberster Amtsdiener trug er eine Livree in den Farben der Stadt. Heute hat er das Amt des Verwaltungssekretärs beim Großen Rat inne.

Die Wandbemalung im Saal wurde nach der Fertigstellung des Baus begonnen und 1604 mit dem Gemälde Die Richter mit den abgehackten Händen des Malers Cesare Giglio beendet. Anlässlich der 1901 dem Architekten Gustave Brocher anvertrauten Restauration wurde der Staatsratssaal mit Chorgestühlen aus Nussbaum ausgestattet, die von den Schülern der Berufsschule (Ecole des Métiers) nach alten Vorbildern ausgeführt wurden. Diese schufen 1917 auch den Arbeitstisch der Staatsräte.

Die große Rampe

Die gepflasterte große Rampe ist das bemerkenswerteste und originellste Element des Rathauses. Sie wurde 1555 in einem viereckigen Turm nach den Plänen von Pernet de Fosses gebaut und 1578 von Nicolas Bogueret vollendet. Diese Art der Rampe mit einem quadratischen Grundriss und ohne Treppenabsatz an den Ecken erlaubte es, mit Wagen, Pferd oder zu Fuß in die oberen Stockwerke zu gelangen. Diese Rampe ist aus Molasseschichten aufgebaut und wird von gotischen Spitzbögen gestützt. Die Spitzbögen an den Innenmauern und die Tragpfeiler sind verziert. Der Giebelfries des Renaissance-Portals zeigt zwischen zwei dorischen Säulen ein schmückendes Flachrelief, das der Schule von Fontainebleau zugeschrieben wird.

Die Außenansicht

Am Anfang des 17. Jahrhunderts gestaltet Faule Petitot die West- und Vorderfront neu, die auf die heutige Rue Henry-Fazy bzw. Rue de l'Hôtel de Ville hinausgeht. 1826 wurde ein Stockwerk hinzugefügt. Die Vorderfront ist durch zwei klassische Portale ausgezeichnet, die von je zwei schwarzen Marmorsäulen eingerahmt sind. Eines der Tore, von David Chériot und seinen Söhnen gefertigt, ist ein schönes Beispiel für die Holzarbeiten des 17. Jahrhunderts. Da Genf zum deutsch-römischen Reich gehörte, stellen der Torflügel und der Schlussstein den kaiserlichen zweiköpfigen Adler dar. Bis 1829 wurde vor dieser Fassade Recht gesprochen. Die Bank aus weissem Stein ist das Einzige der Estrade, was aus dieser Zeit geblieben ist.

Der Hof

Man beritt das Rathaus durch den Eingang Rue de l'Hôtel de Ville 2, welcher durch einen überdachten Gang, das so genannte Peristyl, in den Innenhof führt. Der Gang wurde zwischen 1620 und dem Ende des 17. Jahrhunderts erbaut. Die elf etruskischen Säulen des Peristyls tragen das Gewölbe aus Spitzbögen, die in einem ringförmigen Schlussstein münden. Diese zeigen Parolen und Porträts berühmter Persönlichkeiten aus den Annalen der Stadt Genf. Julius Caesar, Kaiser Barbarossa, König Heinrich IV. sind einige unter ihnen.

Der Alabama-Saal

Der heutige Alabama-Saal diente früher als Festsaal, wo jene Persönlichkeiten empfangen wurden, welche die Republik ehren wollte. Ab 1794 hatten in diesem Raum das Revolutionsgericht und später das ordinäre Gericht ihren Sitz, bevor sie 1856 in den Palais de Justice einzogen. Die der Republik geschenkten Bilder schmücken die Garderobe und das Vorzimmer.

Sein Name erinnert an dort stattgefundene Schiedsgericht, das 1872 dem Konflikt zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und Großbritannien durch einen Schiedsspruch ein Ende setzte. Während des Sezessionskrieges ließ die Regierung der Südstaaten in Großbritannien Schiffe bauen und bewaffnen, die dem Handel der Nordstaaten enorm schadeten. Das Bekannteste unter ihnen war die "Alabama". Nach Ende des Krieges forderten die Vereinigten Staaten von der britischen Regierung Schadenersatz. Nach jahrelangen Diskussionen und Verhandlungen wurde der Konflikt einem Schiedsgericht von fünf Mitgliedern unterbreitet. England wurde zu einer Geldstrafe von 15,5 Millionen Dollar verurteilt.

In diesem Saal wurde am 22. August 1864 auch die Genfer Konvention unterzeichnet: Die Charta des Internationalen Roten Kreuzes war geboren und der Startschuss für ein internationales Genf gegeben.

Heute wird der Alabama-Saal für Höflichkeitsbesuche und für den Empfang von Gästen der Republik gebraucht.

Der Großratssaal

Die unter dem Alabama-Saal liegende Kammer war für die Zusammenkünfte des Rates der Zweihundert, des Vorläufers des Großen Rates, bestimmt. Ursprünglich war der Großratssaal kleiner als heute, denn er war durch ein Vorzimmer und eine Garderobe von der Wandelhalle getrennt. Von der ursprünglichen Verzierung ist nichts erhalten geblieben. Die heutige Dekoration stammt aus den Jahren 1962 - 63. Sie wurde nach einer 1958 - 1961 vorgenommenen Totalrenovation von Percival Pernet ausgeführt.

Heute tagen in diesem Saal die 100 Abgeordneten. Auf der Tribüne des Vorsitzenden nehmen der Ausschuss des Großen Rates und der Grossweibel Platz, davor sind sieben Sitze für die Staatsräte vorgesehen. Gegenüber befindet sich die Galerie, die der Presse, der Öffentlichkeit und den Verfassern der sogenannten Mémoriaux vorbehalten ist.

Der große Wandteppich ist das Werk von Rosemarie Eggmann und symbolisiert Genfs Eintritt in die Eidgenossenschaft. Am 20. Oktober 1967 wurden die dem Kanton Genf von den übrigen Kantonen anlässlich der 150. Wiederkehr dieses Tages geschenkten bunten Glasfenster eingeweiht.

Das Zeughaus und die Promenade de la Treille

Diese 1476 konstruierte Halle, ehemaliger Kornspeicher, wurde 1567 von Nicolas Bogueret umgebaut und 1629 restauriert. Von 1720 - 1877 diente sie als Zeughaus, beherbergte dann verschiedene Verwaltungen, bis sie dem Staatsarchiv zur Verfügung gestellt wurde.

Die ausgestellten Waffenstücke sind die Überreste von den ursprünglichen etwa 200 Waffen, welche zur Verteidigung der ehemaligen Befestigungsanlagen dienten. Die 1949 von Alexandre Cingria erstellten Mosaike zeigen Szenen von einem früheren Genf. Die Friese des Gebäudes sind das Werk des Malers Gustave de Beaumont, der 1891 verschiedene historische Episoden der Stadt darstellte.

Die Treille ist die älteste Promenade Genfs. Am 20. Juni 1516 erwarb die Stadt die Parzelle Les Crêts Baudet, um daraus eine Verteidigungsplattform zu machen. Bis 1713 wurden weitere Parzellen dazugekauft, welche dann die Promenade bildeten. Seit 1767 ist sie durch eine Bank ausgestattet, deren heutige Länge 120,21 Meter beträgt.